demnächst….

In wenigen Wochen werden wir wieder mit Kinder und Jugendlichen auf unserem traditionellen Jugend-Reitkurs in Andalusien sein!

Blog

Herausforderungen in der Überarbeitung der Angie-Kurse

Relana Beck (Prac 2 Pferde)
und Bibi Degn (Instruktorin Pferd/Hund/Kleintiere)

In der „Projektgruppe Angie“ finden sich unter den Tellington-Practitionern die Pädagoginnen, Therapeut*innen sowie all jene zusammen, die fasziniert davon sind, die Tellington Methode an Kinder und Jugendliche (mit und ohne besonderen Förderbedarf) heranzutragen. In der Angie-Projektgruppe mit dem Ziel der Weiterentwicklung des Konzepts ist spürbar, wieviel Herzblut verschiedener Lehrerinnen in dieser Form der Jugendarbeit steckt. Tauschen wir unsere Erfahrungen aus, schieben Aufgaben hin- und her oder feilen an Formulierungen, so werden wir oft ganz aufgeregt im Bewusstsein, welchen Schatz wir da gemeinsam in Händen halten!

Die Arbeitsgruppe folgt der ursprünglichen Idee und dem Grundgerüst für Angie-Kurse, das Bibi Degn vor etwa 25 Jahren aufgebracht hat. Relana Beck verfolgte dieses Unterrichts- und Förderungsmodell in den Abschlussarbeiten ihrer beiden Studien (Sportwissenschaft und Sozialpädagogik) theoretisch – und in ihrer Kinder Reitschule, einem Begegnungszentrum für Tier und Mensch, für viele Jahre praktisch – und hat ihm Zeit und viel Herzblut gewidmet. Über Deutschland verteilt gibt es einige weitere erfahrene Practitioner, die mit Begeisterung Angie-Kurse unterrichten, denn es ist besonders lohnend, Kinder und Jugendliche an die Tellington Arbeit und Tellington Philosophie heranzuführen.

Angie-Kurse dienen der Förderung von Kindern und Jugendlichen – sowie dem Wohl der Pferde, mit denen diese im Kontakt sind, wechselseitige Förderung findet statt. Auch weil das Konzept seine Forderungen an alle Beteiligten stellt. Der rote Faden in Angie-Kursen ist ein beträchtlicher qualitativer Anspruch an die Kinder und Jugendlichen im Kontakt mit dem Pferd. Dieser Anspruch ist derart, dass im Vergleich der Verinnerlichung der Tellington Philosophie und deren Techniken zwischen Practitionern mit abgeschlossener Ausbildung und Angie-Jugendlichen letztere mindestens sehr gut bestehen können.

Derzeit befasst sich der Verein Animal Ambassadors e.V. (in dem sich die Tellington Practitioner für die Jugendarbeit nochmals zusätzlich zum Tellington TTouch Verein Deutschland organisiert haben) und weitere Tellington-Practitioner damit, die Angie-Kurse „auf breitere Füße“ zu stellen. Dieses Konzept, welches das einzige vollständig strukturierte Curriculum über die gesamte Tellington TTouch Methode für Pferde ist, verdient, mehr unterrichtet, mehr gesehen und weiter verbreitet zu werden.

Zu den Inhalten und Methoden

Das Herz der Angie-Kurse besteht aus Aufgaben aus der Tellington-Boden- und Körperarbeit. Bisher wurden diese in Form von klar definierten Zielaufgaben in fünf aufeinander aufbauenden Kursblöcken eingeübt. Für ein allgemeineres Gerüst des „Lernens von Pferd“ wurden die Tellington Techniken erweitert und bereichert um das Reiten und theoretisches Wissen. Dies war schon immer Teil der Angie-Kurse gewesen, (ergänzt durch einzelne Aufgaben aus dem Clicker Training). Dabei bedienten wir uns neben dem Einsatz der spezifisch aus der Tellington Methode kommenden Ausrüstungsgegenstände (wie zb einem Schwerpunkt auf das Halsringreiten, der Einsatz des Balancezügels) herkömmlicher reiterlichen Aufgaben und Ziele (wie als Beispiel das Reiten von Hufschlagfiguren oder Gangarten).

In der Ausführung durch die Unterrichtenden wurden dabei neben anderem eigenem Können und Wissen der Unterrichtenden die Methoden Centered Riding® und Connected Riding® eingesetzt. Die Lernziele selbst blieben dabei in der Sprache herkömmlichen Reitens formuliert. Genau das brachte manchmal Konflikte mit der Tellington Philosophie auf, wenn zugusten des Erreichens eines reiterlichen Lernziels schon mal der Gedanke verloren ging, dass wir die Pferde entsprechend ihrer Individualität fördern und wertschätzen wollen, sie so annehmen wie sie nun mal sind: wunderbar – und dabei nicht ohne Makel und Eigenheiten. Nicht jedes Pferd ist in der Lage, einen Zirkel zu galoppieren – aber dessen ungeachtet machen sowohl Pferd als auch die Kinder und Jugendliche grandiose fördernde Arbeit mit einem solchen Pferd.

Connected Riding, Clicker Training und Theorie

Anders als in den „alten Angies“ ist in den neuen Inhalten in Bezug auf das Reiten das Erlernen von Techniken im Vordergrund gegenüber dem Absolvieren von reiterlichen Aufgaben – Trechniken mittels derer genau diese Aufgaben erreicht werden können. Benannt werden nun einige klar umrissene Techniken aus dem Connected Riding, welche ohnehin seit vielen Jahren mit einfließen in die Tellington TTouch Methode und den Zertifikatslehrgang der Practitioner. Weiterhin findet sich ein umfassendes Grundwissen über Pferde und einige spielerische Aufgaben aus dem Clickertraining, dies zum Verständnis des kognitiven Aspekts des Lernenvermögens von Pferden.

Die Lerninhalte aus Praxis und Theorie greifen innerhalb jedes Angies schlüssig ineinander. So bilden nunmehr sieben Angies (statt wie bislang fünf ) ein sinnvoll aufeinander aufbauendes System. Kinder und Jugendliche, die das Angie-Programm durchlaufen haben, werden in der Lage sein, Pferde gewaltfrei auszubilden und zu reiten- und werden mit ihrer Einstellung einen Unterschied in dieser (Pferde-) Welt machen können. Ihre Kenntnisse entsprechen im Wesentlichen einem Abschluss als Practitioner, so dass der Weg der Angie-Kinder zur eigenen Unterrichtsbefugnis ein kurzer sein wird. Wie wir alle aus eigenem Erfahren wissen, dient das Verinnerlichen dieser Praktiken aber auch den persönlichen Beziehungen, dem liebevollen und aufmerksamen Kontakt mit sich selbst und auch der Friedenserziehung.

Eine ganzheitliche Förderung der Kinder und Jugendlichen

Bei der Diskussion um einzelne Häkchen fragen wir uns immer wieder, was zu vermitteln uns wichtig ist. Welche Aufgaben transportieren die Einstellung zu den Tieren, was spiegelt tatsächlich die tiefe Verbindung zu ihnen? Angie-Kurse können Kindern und Jugendlichen etwas geben, das weit über das Lernen von Reiten und dem kompetenten Umgang mit Pferden hinausgeht. Passend zum aktuellen Newsletter-Thema wird deutlich, dass hinter den Anforderungen der Häkchenaufgaben ein Programm zur ganzheitlichen Förderung steht. Andrea Wenzlawski, die auf ihrem Hof zur tiergestützten Förderung von Kindern und Jugendlichen das Angie-Programm als Basis ihrer Arbeit sieht, freut sich über den klaren Zusammenhang zwischen den Inhalten der einzelnen Angie-Niveaus mit den Entwicklungsschritten von Jugendlichen. So wächst das Angie-Kind mit den weiterführenden Kursen von einem Reitkind zu einem Freund und Kameraden des Pferdes weiter in die Rolle eines wohlwollenden Förderers des vierbeinigen Gegenübers. Die zunehmende Reife der Kinder und Jugendlichen spiegelt sich in der wachsenden Verantwortung gegenüber dem Pferd. Sie lernen fachlich kompetente Empathie gepaart mit Zielstrebigkeit, die nie den respektvollen Blick auf das Gegenüber verliert und erfahren sich so in einer hohen Qualität von Selbstwirksamkeit, ein großes Geschenk für Heranwachsende.

Forderungen an die Unterrichtenden und Förderung des Programms

Die Projektgruppe findet sich in einem Zwispalt zwischen einer hohen Erwartung an die Qualitäten eines Angie-Lehrers und dem Wunsch, möglichst viele Unterrichtende für dieses Programm zu gewinnen. Um Angie-Kurse zu unterrichten muss das Prinzip einer partnerschaftlichen Haltung auf Augenhöhe, sowohl dem Pferd als auch dem Kind gegenüber, verinnerlicht sein. Angie-Kurse zu unterrichten darf nicht bedeuten, Pferde für den Unterricht zu „nutzen“, sondern bedeutet, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Dies stellt hohe Ansprüche an Kursleitende in Bezug auf die innere Haltung, wie auf den methodischen Kenntnisreichtum. Dem gegenüber besteht der Wunsch, die Angie-Kurse vielen Kindern, Pferden und Unterrichtenden zugänglich zu machen. Öffnung und Verbreitung steht der Qualitätssicherung gegenüber. Und dabei soll es noch entspannt zugehen, denn unter Stress lernen ja bekanntlich weder Mensch noch Pferd gut. Genau dies lernen die Kinder schon im Angie 1.

Die Überarbeitung der Inhalte ist nun fertiggestellt. Jetzt geht es dran, diesen Spagat zwischen Qualitätssicherung und Verbreitung auf eine sinnvolle Weise zu definieren, um beiden Zielen gerecht zu werden. Wir hoffen u.a. auf ein reges System des Austauschs von Können, Wissen und Erfahrung in diesem Bereich, von gegenseitiger Bereicherung und Befruchtung durch gemeinsames Unterrichten.

Kontakt

Ansprechpartnerin:

Bibi Degn
t +49 (0) 2247 96 93 910
f +49 (0) 2247 96 93 911

Email: bibi@degn.de